20 september 2023
Museum Arnheim, Niederlande, präsentiert: |
Kunst im Dritten Reich - Verführung und Irreführung |
12. November 2023 bis 24. März 2024
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Die Ausstellung 'Kunst im Dritten Reich' beleuchtet ein komplexes Thema in der Kunstgeschichte
Mit der Ausstellung Kunst im Dritten Reich - Verführung und Irreführung beleuchtet Museum Arnhem das komplexe Thema der Kunst im Dritten Reich. Anhand von rund neunzig Ausstellungsobjekten wird ein Bild der Kunst gezeichnet, die in Deutschland während des NS-Regimes (1933-1945) entstand und ausgestellt wurde. Kunst im Dritten Reich - Verführung und Irreführung wirft ein Schlaglicht auf die Rolle der bildenden Kunst im faschistischen Deutschland und geht der Frage nach wie sie vom Regime in dieser Periode zu einem politischen Instrument gemacht wurde. Mit dieser Ausstellung widmet sich erstmals seit 1944 ein Museum in den Niederlanden in diesem Umfang dem Thema der „Deutschen Kunst“ in dieser Periode.
Adolf Ziegler, Die vier Elemente, vor 1937, Triptychon, Bayerische Staatsgemäldesammlungen München, Pinakothek der Moderne
Modern und (neo)klassizistisch
Es war ein wichtiger Moment für die Kunst im nationalsozialistischen Deutschland: die Einweihung des Hauses der Deutschen Kunst (heute das Haus der Kunst) in München mit der ersten Großen Deutschen Kunstausstellung und der berüchtigten Feme-Schau Entartete Kunst im Jahr 1937. Die Erstgenannte wurde von da an jährlich veranstaltet und war Teil der Propaganda, mit der das Regime die deutsche Gesellschaft für die Ideologie des Nationalsozialismus gewinnen wollte. Die Nazis taten dies unter anderem indem sie die allgemeine Meinungsbildung über Modernität in der Kunst polarisierten und zu ihren Zwecken einsetzte.
Nur (neo)klassizistische Kunststile und Realismus waren erwünscht. Andere moderne Kunstströmungen wie Expressionismus, Kubismus und Abstrakte Kunst wurden vom Regime abgelehnt, verspottet und als „entartet“ abgetan. Auch thematisch hatten sich Kunst, Künstler und Kunstkritiker den NS-Ideologen unterzuordnen und sie keinesfalls in Frage zu stellen. Durch diese weitreichende Polarisierung hat das NS-Regime die Kunstgeschichte noch lange nach dem Zweiten Weltkrieg mitgeprägt. Nach 1945 kehrten sich die Rollen um und der Realismus wurde zeitweise wegen seiner Verbindung mit der nationalsozialistischen Kulturpolitik „gecancelt“.
(l) Große Deutsche Kunstausstellung im Haus der Deutschen Kunst in München
(r) Ausstellungsplakat Entartete Kunst im Jahr 1937
Bildmanipulation
Im Dritten Reich wurde Kunst als wirksames Mittel zur Verführung und Irreführung des Volkes für die NS-Ideologie eingesetzt. Es war Bildmanipulation in Reinkultur und mit großer sozialer Wirkung. Druckwerk wie Ausstellungskataloge, Kunstzeitschriften und Postkarten machten die ausgestellte „Deutsche Kunst" stets bekannter und beliebter und prägten somit das visuelle Gedächtnis einer ganzen Generation. Die Großen Deutschen Kunstausstellungen waren sehr gut besucht: 1942 – auf dem Höhepunkt des Krieges – fanden 850.000 Besucher den Weg ins Haus der Deutschen Kunst, um die zeitgenössischen Kunstwerke der Ausstellung zu bewundern.
Obwohl die Großen Deutschen Kunstausstellungen in München nur wenig explizite Propaganda zeigten, vermittelten sie auf 6.000 Quadratmetern ein passables Weltbild des nationalsozialistischen Regimes: das Konzept der Heimat, die Rolle der Familie, des Arbeiters, der Landschaft, der Bauern und Soldaten. Sie propagierten ein Modell, das sich konzentrierte auf eine romantisierte Darstellung des Alltags von Arbeit und Familie und auf die Heroisierung eines starken, athletischen Idealkörpers. Die Großen Deutschen Kunstausstellungen vermittelten eine scheinbar perfekte Welt, die alle Menschen der „Arbeiterklasse“ visuell fesseln sollte und die den NS-Staat und seine Ideale von Stärke, Schönheit und Reinheit des „arischen“ Menschen verführerisch propagierte.
(l)Oskar Martin Amorbach, Brief am Morgen, 1944, Privatsammlung
(r) Udo Wendel, Die Kunstzeitschrift , 1939/40, Deutsches Historisches Museum. Foto: A. Psille
Neben diesen impliziteren Formen der Beeinflussung gab es auch Kunstwerke, die eindeutig auf die Darstellung von Macht, Krieg und NS-Propaganda abzielten. Die Ausstellung Kunst im Dritten Reich zeigt Beispiele dafür, darunter einige monumentale Werke, die industriellen Fortschritt illustrierten, eine Stadtlandschaft mit Straßen voller Hakenkreuzfahnen und Szenen mit Soldaten auf dem Schlachtfeld und beim Vormarsch durch eroberte Gebiete. So zum Beispiel ein großes Gemälde von Adolf Reich (1887-1963), das einen Kriegsinvaliden darstellt und ihn zum Märtyrer macht.
Adolf Reich, Das größere Opfer, 1943, Deutsches Historisches Museum. Foto: A. Psille
Künstler
Kunst im Dritten Reich zeigt Malereien und Skulpturen von Künstlern wie Claus Bergen (1885-1964), Paul Mathias Padua (1903-1981), Ria Picco-Rückert (1900-1966), Adolf Reich (1887-1963), Ivo Saliger (1894-1987), Josef Thorak (1889-1952), Else Wex-Cleemann (1890-1978), Adolf Wissel (1894-1973) und Adolf Ziegler (1892-1959). Eine der Fragen, die diese Ausstellung aufwirft und umsichtig beantwortet ist: Unterstützten die Künstler das Regime oder unterstützte das Regime die Künstler?
Tausende deutsche (und österreichische) Künstler, die den rassistischen Kriterien des Nationalsozialismus entsprachen, profitierten von der effektiven Nutzung der bildenden Kunst als Propagandainstrument durch das Regime. Ihre Werke wurden gezeigt und von Privatpersonen, dem Staat und seinen Ideologen, einschließlich Adolf Hitler, gekauft. Einige dieser Künstler waren überzeugte Nationalsozialisten, aber die meisten waren vermutlich „Mitläufer“: Künstler, die ohnehin in einem traditionellen Stil arbeiteten, aber nun von der starken Ausrichtung des Staates auf zeitgenössische Kunst profitieren konnten. Sie erreichten im NS-staat den Höhepunkt ihres Ruhmes, sind seitdem jedoch weitgehend ignoriert worden, insbesondere von den Kunstmuseen. In den meisten Geschichtsbüchern zur modernen Kunst tauchen sie – wenn überhaupt – nur am Rande auf.
Auch das Wissen über den Nationalsozialismus und die damit verbundene Propaganda nimmt ab in den Niederlanden. Mit Kunst im Dritten Reich zeigt das Museum Arnheim, das sich auf realistische Kunst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spezialisiert hat, wie das NS-System die Kunst beeinflusste und welche Ergebnisse es hervorbrachte.
Ausleihe
Die damaligen Ankäufe des deutschen Staates werden heute vom Deutschen Historischen Museum verwaltet, das einen Großteil der Werke für die Ausstellung Kunst im Dritten Reich bereitstellt. Weitere Leihgeber sind die Pinakothek der Moderne in München und mehrere Privatpersonen.
Museum Arnhem
Sammlungsgeschichtlich ist Museum Arnhem unter anderem auf die verschiedenen Formen des Realismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spezialisiert. Kunst im Dritten Reich ist eine weitere historische Erkundung der realistischen Kunst im politischen Kontext, diesmal mit Schwerpunkt auf „Deutsche Kunst“ im Dritten Reich. Im Jahr 2015 zeigte Museum Arnhem die Ausstellung Geaarde Kunst [Artige Kunst] mit Werken niederländischer Künstler, die während der deutschen Besatzung vom niederländischen Staat erworben wurden. Eine der Eröffnungsausstellungen, die im vergangenen Jahr nach einer umfassenden Renovierung des Museums der Öffentlichkeit gezeigt wurde, war Van Links Naar Rechts [Von Links nach Rechts]. Im Fokus dieser Ausstellung stand der Realismus in der Kunst vor dem Hintergrund der politischen Polarisierung in den Niederlanden der 1930er Jahre.
Museum Arnhem zeigt Kunst und Ausstellungen van gesellschaftlicher Relevanz. Das Museum sucht Anschluss an aktuelle Themen und setzt auf eine mutige Programmgestaltung. Im Jahr 2022 stand beispielsweise die Freude von Transsexuellen und Queers im Mittelpunkt der Ausstellung How Dare You Make Me Feel This Way und die aktuelle Ausstellung Between Borders bietet verschiedene Perspektiven auf Migration im einundzwanzigsten Jahrhundert. Für das nächste Jahr ist eine große internationale Ausstellung mit Fokus auf Modernistinnen aus der Zeit von 1920 bis 1960 geplant.
Veröffentlichung
Anlässlich von Kunst im Dritten Reich – Verführung und Irreführung erscheint eine gleichnamige Publikation, herausgegeben von konservatoren Jelle Bouwhuis und Almar Seinen. Es enthält neben Abbildungen von rund 150 Werken und einem einführenden Essay auch Textbeiträge von Prof. Dr. Gregor Langfeld (Universität Amsterdam / Open University), Sabine Brantl (Haus der Kunst, München), Prof. Dr. Christian Fuhrmeister (Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München) und Historiker Gregory Maertz. Dieses Buch wird vom Museum Arnheim in Zusammenarbeit mit WBOOKS veröffentlicht und wurde dank eines Beitrags des Hendrik Muller Fund ermöglicht. Das Buch erscheint in zwei Sprachausgaben: Niederländisch und Englisch. Preis: € 24,95.
Wir danken
Die Ausstellung Kunst im Dritten Reich wurde mit Unterstützung des Blockbusterfonds, der VriendenLoterij, vfonds, VSB Fonds und der Gemeinde Arnheim ermöglicht.
Albert Janesch, Wassersport, 1936, Deutsches Historisches Museum. Foto: A. Psille
Hinweis für die Redaktion: Einladung pressebesichtigung Freitag, 10. November 2023 / Von 11 bis 13 Uhr Adresse: Museum Arnheim, Utrechtseweg 87, 6812 AA Arnheim, Niederlande
Während der Pressebesichtigung der Ausstellung werden Saskia Bak (Direktorin des Museums Arnheim), Jelle Bouwhuis (Kuratorin für moderne Kunst im Museum Arnheim) und Almar Seinen (Gastkurator) anwesend sein, um Sie auf Niederländisch und Englisch herumzuführen und Fragen zu beantworten. Auch zum Fotografieren und Filmen gibt es heute Morgen reichlich Gelegenheit.
Wenn Sie von dieser Möglichkeit Gebrauch machen möchten, teilen Sie uns dies bitte mit. Registrieren Sie sich über media@museumarnhem.nl
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an: Elske Schreurs
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